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Programm

Woher kommt das Geld für unsere Radwege?

„Schöne Idee, aber wer soll das bezahlen?“ Diese Frage kommt unter jedem Radwege-Video. Hier ist die Antwort mit Zahlen, mit Quellen und mit den Grenzen, die dazugehören.

Sabrina Wendt

„Schöne Idee, aber wer soll das bezahlen?“ Diese Frage steht unter fast jedem Kommentar zu meinem Radwege-Video. Sie ist berechtigt und sie verdient eine Antwort mit Zahlen, nicht mit Absichtserklärungen. Also habe ich mich hingesetzt und die Förderlandschaft für Papenburg durchgearbeitet.

Die kurze Antwort

Das Geld ist da. Was fehlt, ist die fertige Planung, mit der man es abruft.

Fördermittel funktionieren anders, als viele denken. Es liegt kein Topf herum, aus dem eine Stadt sich bedient. Es braucht ein durchgeplantes Projekt, einen fristgerechten Antrag und einen eingeplanten Eigenanteil. Wer das nicht vorbereitet, geht leer aus, egal wie voll die Töpfe sind.

Eine Einschränkung gehört gleich dazu. Reine Reparatur, also Flicken und Unterhalten, fördert niemand. Das zahlt jede Stadt in Deutschland selbst. Gefördert wird der Ausbau auf die richtige Breite und der Neubau. Dass ein Weg zu schmal ist, spricht also nicht gegen die Förderung. Es ist der Grund für den Antrag.

Die Töpfe, aus denen Papenburg schöpfen kann

1. Das Land Niedersachsen (NGVFG). Der wichtigste Hebel für uns. Reine Radverkehrsprojekte fördert das Land mit 80 Prozent, landesweit und unabhängig davon, wie finanzstark eine Kommune ist. Im Jahresprogramm 2026 stecken 75 Millionen Euro und 59 bewilligte Projekte, darunter 18 eigenständige Radwegeprojekte. Damit löst das Land Investitionen von rund 133 Millionen Euro aus. Bei Straßenbauvorhaben liegt die Quote je nach Steuerkraft zwischen 60 und 75 Prozent.

2. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Hier kommt Geld direkt bei den Kommunen an. Die Kommunen im Landkreis Emsland erhalten daraus zusammen rund 177 Millionen Euro, verteilt nach Einwohnerzahl und Schlüsselzuweisungen. Wie viel davon genau auf Papenburg entfällt, ist öffentlich noch nicht beziffert. Entscheidend ist ohnehin etwas anderes: Über die Verwendung entscheidet die Stadt selbst. Das ist keine Geldfrage. Das ist eine Prioritätenfrage. Gefördert werden Projekte, die nach dem 1. Januar 2025 beginnen und bis Ende 2042 fertig sind.

3. Das Bundesprogramm Stadt und Land. 75 Prozent Förderung, für finanzschwache Kommunen bis zu 90 Prozent. Hier bleibe ich ehrlich: Die Bundesmittel für Niedersachsen sind nach aktuellem Stand weitgehend ausgeschöpft. Wann das nächste Fenster aufgeht, steht noch nicht fest. Wer dann erst mit dem Planen anfängt, kommt wieder zu spät.

4. Die Förderung ländlicher Wege, neu seit Juli 2026. Das Land stellt 100 Millionen Euro aus dem Sondervermögen für den Erhalt ländlicher Wege bereit, ausdrücklich auch für Wege, die neben Land- und Forstwirtschaft dem Fuß- und Radverkehr und der Erholung dienen. Die nächste Antragsfrist ist der 30. April 2027. Für unsere Ortsteile und die Wege zwischen ihnen ist das hochinteressant.

5. Die LEADER-Region Nördliches Emstal. Papenburg gehört mit Rhede, Dörpen, Lathen und Haren dazu, die Förderperiode läuft bis 2027. Schwerpunkte sind unter anderem Tourismus, Umwelt- und Klimaschutz und ein attraktives Lebensumfeld. Für touristische Radrouten und Verbindungen zwischen den Orten ist das der passende Weg.

6. Die Kommunalrichtlinie des Bundes. Aus der Nationalen Klimaschutzinitiative sind fließender Radverkehr, Radabstellanlagen und Mobilitätskonzepte förderfähig. Anträge sind laufend möglich, die aktuelle Frist läuft bis Ende 2027.

7. Die Städtebauförderung. Für Papenburgs Innenstadt und für Aschendorf läuft bereits ein Verfügungsfonds. Wo ein Weg Teil einer Innenstadt- oder Stadtumbaumaßnahme ist, trägt dieser Weg mit.

8. Der Landkreis Emsland. Der Kreis ist Radwege-Modellregion und betreibt ein eigenes, vom Bund gefördertes Radwegemanagement, das Planung und Abstimmung beschleunigt. Für uns heißt das: An den richtigen Stellen ist Papenburg nicht allein. Die Emdener Straße zum Beispiel ist die Kreisstraße 151. Dort ist der Landkreis Straßenbaulastträger, die Stadt plant.

Warum trotzdem so wenig passiert

Wenn es so viele Wege gibt, warum sind unsere Radwege dann in diesem Zustand? Die Antwort ist unbequem und einfach zugleich.

Papenburg hat ein fertiges Radverkehrskonzept, beschlossen vom Rat am 26. März 2020, mit Mängelliste und Maßnahmenkatalog. Handlungsbedarf auf 133 von 186 Kilometern, 171 vorgeschlagene Einzelmaßnahmen. Der Sachstandsbericht der Verwaltung vom Mai 2025 zeigt, wo wir stehen: Beim Rad- und Fußverkehr sind vier von 29 Maßnahmen umgesetzt.

Was fehlt, sind die durchgeplanten Projekte und die Anträge, mit denen man dieses Geld holt. Fördermittel gehen nicht an die Stadt mit dem größten Bedarf. Sie gehen in die Stadt, die zuerst fertig plant.

Zur Ehrlichkeit gehört auch: Nicht jede Straße gehört uns. Eine Bürgermeisterin saniert eine Kreisstraße weder allein noch über Nacht. Was sie kann, ist priorisieren, beim Kreis und beim Land konsequent vorsprechen, Fördermittel holen und einen verbindlichen Zeitplan vorlegen. Genau das fehlt bisher.

Was ich konkret mache

Erstens, die Radwege-Roadmap bis zum 31. März 2027. Mit Trassen, Zeitachse und Kostenrahmen. Schulwege und die gefährlichsten Engstellen kommen zuerst. Diese Roadmap ist die Voraussetzung dafür, überhaupt Förderanträge stellen zu können.

Zweitens, ein fester Ansprechpartner im Rathaus für Förderanträge. Jemand, der die Fristen kennt, die Programme kombiniert und die Anträge fertig macht. Andere Kommunen holen so seit Jahren Millionen ab.

Drittens, Prioritäten setzen statt Prioritäten vertagen. Beim Sondervermögen entscheidet die Stadt selbst, wofür sie das Geld einsetzt. Ich sage klar: Sichere Schulwege gehören ganz nach vorn.

Viertens, mitbauen, wenn ohnehin gebaut wird. Wenn ein Wasserverband eine Straße für neue Rohre aufgräbt, gehört der Radweg in dieselbe Baustelle. Einmal aufreißen, zweimal nutzen. Diesen Hinweis verdanke ich einem Bürger aus dem Bürgervotum, und er ist goldrichtig.

Die Reihenfolge kommt nicht von mir

Im Bürgervotum ist der Zustand unserer Radwege mit Abstand das stärkste Thema, mit über 248 Stimmen (Stand 27.8.2026). Dazu kommen die konkreten Stellen, die Papenburger genannt haben: die Russelstraße, die Emdener Straße, das Obenende, die Kämpestraße in Herbrum, die Lange Straße in Aschendorf, der Übergang am Splitting und die Ampelschaltungen, bei denen Radfahrer immer als Letzte dran sind.

Das ist keine Liste, die ich mir ausgedacht habe. Das ist die Liste aus dem Bürgervotum. Und genau so gehe ich sie an.

Zuhören. Anpacken. Umsetzen.

Dein Thema fehlt noch? Dann trag es ins Bürgervotum ein und stimm ab, was Papenburg zuerst anpackt.

Quellen

  • NGVFG Jahresprogramm 2026, Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung Niedersachsen
  • Gesetz zur Errichtung eines Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität, Paragraf 3
  • Landkreis Emsland, Verteilung der Mittel aus dem Bundessondervermögen
  • Richtlinie zur Förderung ländlicher Wege, Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 20.07.2026
  • LEADER-Region Nördliches Emstal, Förderperiode 2023 bis 2027
  • Kommunalrichtlinie der Nationalen Klimaschutzinitiative
  • Landkreis Emsland, Radwegemanagement im Nationalen Radverkehrsplan
  • Verkehrsentwicklungsplan 2035 einschließlich Radverkehrskonzept, Ratsbeschluss vom 26.03.2020, Drucksache 2020/017
  • Sachstandsbericht zum Maßnahmenkatalog des Verkehrsentwicklungsplans 2035, Mitteilungsvorlage 2025/265