Das Netto wird knapper. Genau jetzt zeigt sich, was ein Standort wirklich wert ist.
Die Sozialbeiträge steigen, netto bleibt weniger übrig. Was eine Bürgermeisterin daran nicht ändert, und was Papenburg trotzdem selbst in der Hand hat.
Sabrina Wendt
Es sind wieder die kleinen Sätze, die hängen bleiben. Eine Mutter an der Kasse, die kurz rechnet, bevor das zweite Päckchen Kaffee aufs Band kommt. Ein Handwerksmeister, der mir bei meinem Betriebsbesuch in dieser Woche die Auftragsbücher zeigt, voll bis weit ins nächste Jahr, und trotzdem zuerst sagt, dass ihn nicht der Auftrag beschäftigt, sondern die Frage, was ihn jeder neue Mitarbeiter kostet, bevor der den ersten Handschlag macht.
Das ist keine Stimmung aus dem Fernsehen. Das ist die Sorge an einem ganz normalen Werktag in Papenburg.
In dieser Woche hat diese Sorge auch eine offizielle Zahl bekommen.
Die Welt schickt die Rechnung, das Land diskutiert
Die Wirtschaftsweisen, der Sachverständigenrat der Bundesregierung, haben ihr Frühjahrsgutachten vorgelegt. Sie halbieren das erwartete Wachstum für dieses Jahr, von 0,9 auf 0,5 Prozent. Und sie sagen einen Satz, der vielen wehtut: Ohne Reform steigen die Sozialbeiträge von 42,3 Prozent heute auf 45,4 Prozent im Jahr 2030 und auf fast 50 Prozent im Jahr 2040.
Übersetzt heißt das zweierlei. Für jeden Betrieb steigen die Kosten, bevor das erste Produkt verkauft ist. Und für jede Familie bleibt am Monatsende weniger übrig. Wer von Schiffbau, Zulieferern und Tourismus lebt, kennt diese Mechanik. Eine Entscheidung in Berlin oder Brüssel landet ein paar Monate später als handfeste Frage an einem Küchentisch in Aschendorf, Bokel oder Obenende.
Was eine Bürgermeisterin nicht ändern kann
Jetzt bin ich ehrlich mit dir, auch wenn es im Wahlkampf bequemer wäre, das Gegenteil zu behaupten. Über Renten-, Pflege- und Krankenkassenbeiträge entscheidet Berlin, nicht das Rathaus. Eine Bürgermeisterin dreht an diesen Stellschrauben nicht. Wer dir etwas anderes verspricht, verkauft dir Luft.
Und trotzdem halte ich mich nicht raus. Eine Meinung dazu habe ich sehr wohl. Ein Land, das seine Beiträge Richtung 50 Prozent laufen lässt, nimmt seinen Betrieben die Puste und seinen Familien die Luft zum Atmen. Da braucht es Reformen, und zwar bald. Mich rauszuhalten ist der bequeme Weg. Haltung heißt, das auszusprechen, auch wenn ich es selbst nicht beschließe.
Was wir in Papenburg sehr wohl in der Hand haben
Hier kommt der Teil, der mich als Bürgermeisterin wirklich betrifft. Je teurer ein Standort von außen wird, desto mehr entscheidet das, was wir vor Ort selbst gestalten. Und da ist mein Einfluss groß.
Tempo zuerst. Wenn ein Betrieb in Papenburg wachsen will, dann darf eine Genehmigung nicht ein halbes Jahr im Aktenschrank liegen. Schnelligkeit der Verwaltung ist bares Geld, gerade wenn die Kosten anderswo steigen. Deshalb meine feste Zusage: ein fester Ansprechpartner für jedes Unternehmen, von der ersten Anfrage bis zur Genehmigung. Eine Nummer, ein Gesicht, eine klare Antwort.
Dann Nähe. Ich besuche jede Woche einen Betrieb in Papenburg, fünfzig im Jahr, fest im Kalender und nicht nur im Wahlkampf. Weil ich ein Problem in der Werkhalle besser verstehe als von einer Bühne aus.
Und schließlich Kaufkraft. Wenn Familien netto weniger haben, zählt jeder Euro, der in Papenburg bleibt statt wegzupendeln. Starke Betriebe vor Ort sind Arbeitsplätze vor Ort. Verlässliche Kinderbetreuung sorgt dafür, dass beide Eltern arbeiten gehen, wenn sie das wollen. Das alles trägt eine starke Wirtschaft. Sie ist das Fundament, auf dem Kitas, Wohnraum und Vereine und damit die Lebensqualität der Papenburger stehen.
Möglichmacher heißt liefern, wenn es schwer wird
In über 25 Jahren Berufserfahrung, davon 8 Jahre in der Wirtschaftsförderung dieser Stadt, habe ich gelernt, wo dieser Hebel sitzt. Nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus hunderten Gesprächen mit Menschen, die morgens als Erste die Halle aufschließen.
Das Gutachten aus Berlin ändere ich nicht. Den Weg, wie gut ein Betrieb in Papenburg arbeiten und wachsen kann, den gestalte ich. Genau dafür stehe ich. Und weil ich unabhängig und an keine Partei gebunden bin, kann ich mir diese Haltung leisten.
Möglichmacher ist nicht, wer über die große Krise klagt. Möglichmacher ist, wer dafür sorgt, dass es vor der eigenen Haustür trotzdem vorangeht.
Papenburg kann mehr. Auch wenn der Wind von außen rauer wird.
Wie macht sich das bei dir bemerkbar, in deinem Betrieb, an deinem Küchentisch? Schreib mir gern, per E-Mail oder über das Kontaktformular. Ich lese mit und ich antworte.