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Egal, wie wir die Mitte nennen. Entscheidend ist, wer sich kümmert.

Fachleute streiten über Begriffe: Citymanagement, Innenstadtmanagement, Zentrenmanagement. Hinter dem Begriffschaos steckt fast immer ein Zuständigkeitschaos. Warum die Mitte ein Gesicht braucht.

Sabrina Wendt

An einem Freitagvormittag stehe ich gern am Hauptkanal, mit einem Kaffee in der Hand, und schaue dem Untenende beim Leben zu. Menschen, die über den Wochenmarkt schlendern, ein paar Worte am Stand, Kinder am Wasser. Das ist Papenburg von seiner schönsten Seite. Und genau an solchen Vormittagen merke ich, wie sehr eine lebendige Mitte das Herz einer Stadt ist.

Diese Woche habe ich einen Beitrag der Stadtmanufaktur aus Hamburg gelesen, der mich zum Schmunzeln und dann zum Nachdenken gebracht hat. Die Fachleute dort streiten über Begriffe. Citymanagement, Innenstadtmanagement, Zentrenmanagement. Jeder versteht etwas anderes darunter.

Und dann kommt der Satz, der sitzt. Hinter dem Begriffschaos steckt fast immer ein Zuständigkeitschaos. Übersetzt: Es ist nicht so wichtig, wie wir das Kümmern um die Mitte nennen. Wichtig ist, ob klar ist, wer die Leitplanken setzt, wer umsetzt und wer am Ende den Blumenschmuck fürs Frühlingsfest organisiert.

Das Problem ist selten das Geld allein

Das deckt sich genau mit dem, was ich in Gesprächen mit Händlern, Gastronomen und Vereinen hier höre. Eine gute Idee für die Innenstadt scheitert selten am fehlenden Willen. Sie scheitert oft daran, dass am Ende niemand richtig zuständig ist. Der eine wartet auf die Stadt, die Stadt wartet auf den Antrag, der Antrag wartet auf eine Unterschrift, und die Idee wartet, bis sie keiner mehr hat.

Wer einen Laden im Untenende führt, kennt das. Du hast eine Idee für dein Schaufenster, für eine gemeinsame Aktion, für ein Fest. Und dann verbringst du mehr Zeit damit, herauszufinden, wen du überhaupt fragen musst, als mit der Idee selbst. Das ermüdet. Und irgendwann macht man es eben nicht mehr.

Die Stadtmanufaktur bringt es auf den Punkt. Lebendige Orte entstehen nicht durch den schöneren Begriff, sondern durch klare Rollen. Genau da setze ich an.

Ein Kümmerer für die Mitte

Ich will für die Innenstadt das, wofür ich insgesamt stehe. Eine klare Verantwortung mit Namen und Gesicht. Einen festen Kümmerer für die Mitte, an den sich Händler, Gastronomen und Vereine wenden, ohne sich vorher durch ein Organigramm zu arbeiten. Eine Anlaufstelle, die nicht nur verwaltet, sondern Dinge tatsächlich zusammenführt und ins Laufen bringt.

Das ist kein neues Amt um des Amtes willen. Das ist das Gegenteil von Bürokratie. Eine Idee aus der Innenstadt soll einen kurzen Weg haben und eine verlässliche Antwort, auch wenn die Antwort einmal Nein lautet. Eine klare Absage in zwei Wochen ist mehr wert als ein freundliches Vielleicht über zwei Jahre.

Dazu gehört für mich, dass die Menschen, die die Mitte tragen, mitentscheiden. Die Händlerin weiß besser als jedes Gutachten, woran ihre Straße krankt. Der Wirt weiß, was an einem Veranstaltungsabend wirklich fehlt. Zuhören und dann eine Entscheidung treffen, in dieser Reihenfolge.

Lebendige Mitte und starke Wirtschaft sind dasselbe

Eine belebte Innenstadt ist kein Schmuck, den man sich leistet, wenn sonst alles erledigt ist. Sie ist ein Wirtschaftsfaktor. Jedes Schaufenster, das hell bleibt, ist ein Betrieb, der Miete zahlt, Menschen beschäftigt und zur Stadt beiträgt. Jeder Leerstand zieht den nächsten nach.

In über 25 Jahren Berufserfahrung, davon 8 Jahre in der Wirtschaftsförderung dieser Stadt, habe ich gesehen, wie schnell eine Lage kippt, wenn niemand sie aktiv hält. Und wie viel möglich ist, wenn eine Person den Hut aufhat und dranbleibt. Eine starke Mitte fällt nicht vom Himmel. Sie ist die Summe vieler kleiner Entscheidungen, die jemand verlässlich trifft.

Deshalb ist mir die Frage der Stadtmanufaktur so wichtig. Nicht: Wie nennen wir das Kümmern um die Mitte? Sondern: Wer kümmert sich wirklich? Ich gebe darauf eine klare Antwort. Die Mitte ist Chefinnensache, und sie bekommt ein Gesicht, das ansprechbar ist.

Möglichmacher ist nicht, wer das schönste Konzept für die Innenstadt schreibt. Möglichmacher ist, wer dafür sorgt, dass die gute Idee aus dem Laden auch wirklich umgesetzt wird.

Papenburg kann mehr. Und unsere Mitte kann wieder mehr leuchten, wenn klar ist, wer sich kümmert.

Was fehlt dir in unserer Innenstadt, und was macht sie für dich lebendig? Schreib mir gern, per E-Mail oder über das Kontaktformular. Ich lese mit und ich antworte.